Eibenangst

Vor­ge­schich­te:
Wir haben vie­le Eiben in unse­rem gro­ßen Gar­ten. Mein heu­te 9‑jähriger Sohn hat­te in den letz­ten 18 Mona­ten erst eine gewis­se Furcht, dann aber eine alp­traum­haf­te Angst vor die­sen Sträu­chern ent­wi­ckelt, denn die Nadeln und Samen sind für Mensch und Tier töd­lich gif­tig, das Holz ist harm­los.

Zunächst sprach er drau­ßen kaum noch, dann ging er im Som­mer fast nicht mehr raus, ab Spät­herbst aß er nur noch drin­nen und auch nur, was man mit Besteck essen konn­te. Jede Mahl­zeit muss­te von mir dem­entspre­chend her­ge­rich­tet sein. Jedes Nah­rungs­mit­tel, Besteck, Geschirr, Klei­dungs­stück, das ihn im Gesicht berührt hat­te, muss­te gewech­selt wer­den. Er fühl­te sich allein von der Luft um ihn ver­gif­tet- “Eiben­luft”. In der Schu­le — er war vor­her ein sehr guter Schü­ler — war nicht mehr viel mit ihm anzu­fan­gen. Er war dau­ernd krank, schwach, ihm war schlecht usw. Ich schwank­te zwi­schen Ver­ständ­nis, Wut und Hilf­lo­sig­keit, woll­te mich von sei­ner Angst nicht noch mehr erpres­sen las­sen, denn wenn, dann muss­te ich alles für ihn tun, in jemand ande­ren hat­te er kein Ver­trau­en mehr — und er wuss­te eben­so, dass es irra­tio­nal war, sag­te aber selbst: “Mama, die Angst ist stär­ker als ich.” Eine lang­wie­ri­ge psy­cho­lo­gi­sche Behand­lung woll­te ich ihm unbe­dingt erspa­ren.…
Ich (als ein­zi­ge aus mei­nem unmit­tel­ba­ren fami­liä­ren Umfeld) kann­te Bihl­mai­ers von einem Semi­nar her per­sön­lich und dach­te mir, wenn — dann dort. Und zwar trotz gro­ßer Beden­ken sei­tens mei­nes Vaters — einem sehr erfah­re­nen Päd­ago­gen -, auch mein Mann war skep­tisch: Auf­wand, Ent­fer­nung, Fehl­tag in der Schu­le… Ich nahm mein “Weih­nachts­ge­schenk­geld” und fuhr trotz­dem. Und bin heil­froh, dass ich es getan habe.

Am Montag/Dienstag nach dem Besuch bei Ihnen tat sich bei Simons “Eiben­angst” erst ein­mal nichts — aber er geht jetzt viel “ein­fa­cher” zur Schu­le und auch die Haus­auf­ga­ben sind seit­dem kein Kampf mehr! Er kam Anfang letz­ter Woche zu dem Schluss: “Mama, ich weiß jetzt, was für eine Angst wir frei­ge­las­sen haben, das war die Haus­auf­ga­ben-Angst!” Und zu sei­ner Schu­le mein­te er zum ers­ten Mal seit einem drei­vier­tel Jahr — ich hat­te ihm erzählt, dass wir noch die Mög­lich­keit eines Schul­wech­sels hät­ten — “DIE Schu­le ist schon okay.” Und “Schu­le gehen ist jetzt ein­fa­cher!” Da war ich schon sehr froh.

Am Abend Ihrer Mail hat er sei­ner Schwes­ter die Metho­de dann vor­ge­führt und bei sich eine Angst genau geor­tet, genau ange­schaut und beob­ach­tet, wohin die­se sich bewegt. Dann hat er sie wohl in einem Netz gefan­gen und aus­ge­setzt, zumin­dest erzähl­te er es mir so unge­fähr. Und dann am nächs­ten Tag, am 01.02.13, kam er mit­tags nach Hau­se und sag­te: “Mama, ich hab zwar Herz­klop­fen, aber ich glau­be, heu­te wer­de ich mei­ne Eiben­angst los. Und ich bewei­se es dir gleich.” Er ging ins Bad, wusch sich ein­mal die Hän­de und sag­te, er wer­de jetzt sei­ne Fin­ger abschle­cken. Er tat es! Gott, war ich froh! Zufäl­lig hat­te ich fri­sche Bre­zen gekauft und bot ihm gleich eine an — zum Sel­ber-Essen mit den Fin­gern, was vor­her undenk­bar gewe­sen war. “Das ist die bes­te Bre­ze mei­nes Lebens. Ich bin so glück­lich, Mama, mei­ne Gebe­te sind erhört wor­den!!!”, sag­te er und wir bei­de haben rich­tig geweint vor lau­ter Glück. “Ich habe mein Leben wie­der!” war auch einer der Sät­ze, die dann kamen. Und “Ges­tern habe ich die Eiben­angst erwischt, das weiß ich jetzt! Es sind noch ein paar klei­ne Ängs­te da, aber die krieg’ ich auch noch weg. Mama, und ICH habe es SELBST geschafft!”

Jetzt hat mein Sohn eine Metho­de an der Hand, mit der er sich in Zukunft selbst hel­fen kann und die “funk­tio­niert”. Die posi­ti­ven Aus­wir­kun­gen sind nicht hoch genug ein­zu­schät­zen! Und des­we­gen kann ich nicht genug dan­ken…

Ich behan­de­le die­sen Tag wie einen Geburts­tag zu einem zwei­ten Leben, nicht nur für ihn.
DANKE, DANKE, DANKE!!! Ich bin froh um jeden Kilo­me­ter, den ich mit mei­nem Sohn zu Ihnen gefah­ren bin!

Herz­lichs­te Grü­ße,
Ihre Hei­ke

Nach oben

Nach oben